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Was ist sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen?

Unter sexueller Gewalt (sexueller Misshandlung, sexueller Missbrauch) versteht man jede Handlung zwischen Mächtigeren (meist Erwachsenen oder deutlich älteren Jugendlichen) und Kindern, die zur sexuellen Erregung bzw. Befriedigung der Mächtigeren dient. Der Mächtigere nutzt das Machtgefälle zur Durchsetzung seiner Bedürfnisse aus und trägt die Verantwortung für die Handlungen. Das Kind kann diesen Handlungen aufgrund seines Entwick­lungsstandes nicht frei und wissentlich zustimmen und wird in der Regel zu Geheimhaltung verpflichtet. Immer, wenn sexuelle Handlungen an, vor oder mit einem Kind erzwungen werden oder mit dessen scheinbarem Einverständnis stattfinden, wird ein Straftatbestand erfüllt. Da die Kinder in der Re­gel von den Erwachsenen abhängig sind, fällt es ihnen oftmals schwer, sich den Handlungen durch die Erwachsenen zu wider­setzen.

 

Formen sexueller Gewalt sind in zwei Gruppen zu unter­scheiden: Übergriffe mit Körperkontakt und Übergriffe ohne körperliche Berührung. Die Fälle in Gruppe 1 sind eindeutig, hier gibt es keine Dis­kussion: genitaler, analer oder oraler Verkehr, das Eindringen in den After oder die Scheide des Kindes mit Fingern, Penis oder Fremdkörpern, das Manipulieren am Körper (z.B. auch durch ungewollte Liebkosungen und Berührungen) und an den Genitalien des Kindes (z.B. auch über sexualisierte Pflegeleistungen), ebenso sexuelle Handlungen, bei de­nen das Kind gezwungen wird, die Genitalien des Erwachsenen zu be­rühren.

Die Formen sexueller Gewalt ohne Körperkontakt werden nicht immer eindeutig bewertet. Zu diesen Formen gehören beispielsweise alle Arten von Voyeurismus (lüsterne Blicke, das Kind beim Ausziehen, Baden zur eigenen sexuellen Befriedigung beobachten) sowie alle Arten von verbalen Übergriffen (z. B. anzügliche Redensarten und das ständige Kommentieren der körperlichen Entwicklung des Kindes in Bezug auf die Geschlechtsmerkmale.

Ebenso fallen in diesen Bereich Tätigkeiten wie beispielsweise im Beisein des Kindes zu masturbieren, gemeinsam mit Erwachsenen Pornofilme zu konsumieren, beim Geschlechtsakt zuzusehen u. a.