Unter sexueller Gewalt versteht man jede Handlung zwischen Mächtigeren – meist Erwachsenen oder deutlich älteren Jugendlichen – und Kindern, die zur sexuellen Erregung bzw. Befriedigung der Mächtigeren dient. In einer repräsentativen Befragung des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen gaben 12,6% der Erwachsenen und Jugendliche über 14 Jahren in Deutschland an, in der Kindheit von Bezugspersonen sexuell missbraucht worden zu sein. Kinder mit Gewalterfahrung vertrauen sich eher selten aktiv Personen an, die ihnen helfen könnten. Hinweissignale, die Opfer sexueller Gewalt geben und Symptome, die von möglichen Helfern wahrgenommen werden könnten, sind selten eindeutig interpretierbar. 70% der Befragten, die Missbrauchserfahrungen mit Körperkontakt erlitten hatten, gaben an, dass damals keine Maßnahmen ergriffen worden waren, nur 13,4% der Opfer wurden beraten oder therapiert. Viele Heranwachsende vertrauten sich lediglich der besten Freundin oder einem Freund an.

In der Schule können aufmerksame, kompetente Lehrkräfte, die das Vertrauen der Opfer haben, Helfer dieser Kinder und Jugendlichen sein. Zusammen mit Fachkräften können notwendige Schritte eingeleitet und bereits vorhandene Angebote genutzt werden, die es ermöglichen in der Schule auch präventiv tätig zu sein. Auf diesem Portal der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung finden Sie Informationen und Materialien zum Thema Sexuelle Gewalt. Zielgruppe sind Personen, die in Schulen tätig sind.

 

Sexuelle Gewalt im Kontext der Covid-19-Pandemie

Eine Befragung von Jugendämtern Anfang Mai 2020 ergab, dass die Anzahl der Meldungen, die im Zusammenhang mit dem Schutz von Kindern vor häuslicher Gewalt stehen, in den ersten vier Wochen nach Beginn des Kontaktverbots im Rahmen der Covid-19-Pandemie stark rückläufig waren. Die Meldezahlen seien um durchschnittlich 15% zurückgegangen. Erklärt wird dieser Sachverhalt nicht damit, dass es weniger Fälle gibt, sondern, dass sich die Dunkelziffer vergrößert hat (Befragung der Jugendämter; KM-Bayern / Beratungs- und Unterstützungsangebote; Hinweise des Kinderschutzbundes).

 

Kitas und Schulen sind geschlossen. Die dort tätigen Mitarbeiter haben damit kaum eine Möglichkeit wahrzunehmen, ob Kinder gefährdet bzw. Opfer sind und die Kinder und Jugendlichen hätten keine Möglichkeit, sich Personen in Kitas und Schulen direkt anzuvertrauen. Was bleibt, sind häufig nur noch Ansprechpartner bei Sorgentelefonen oder in Chatberatungen. Bei diesen Diensten gab es im Frühjahr 2020 20% mehr Kontaktaufnahmen von Kindern und Jugendlichen, die sich in Risiko- und Notlagen befinden.

 

Schulen sollten deshalb ihre Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern - noch einmal - auf Hilfsangebote hinweisen.

1. Direkte Information

Informieren über regionale und überregionale Hilfsangebote können Schulen auf diesen Wegen:

 

2. Indirekte Information

Eventuell können alle Mitglieder der Schulfamilie darüber informiert werden,

  • zu welchen Themen grundsätzlich und aktuell Informationen auf der Schulhomepage zu finden sind

oder

  • dass es auf der Schulhomepage aktuell bzw. neu einen Menüpunkt „Informationen zu Corona“ gibt und dort u.a. den Untermenüpunkt „Hilfsangebote“

 

3. Im Rahmen des Präsenzunterrichts

Wenn Schüler/-innen wieder zum Präsenzunterricht in die Schule kommen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • die versandten Briefe (siehe oben) an die über 14-jährigen direkt verteilen
  • Aushänge mit Informationen zu den Hilfsangeboten in allen Klassenzimmern und an geeigneten Stellen im Schulhaus anbringen
  • die zuständigen Schulpsychologen/-innen und andere spezialisierte Berater/-innen weisen in jeder  Klasse - noch einmal - persönlich auf ihre und weitere Beratungsangebote hin

 

Richtlinien

Die aktuellen Richtlinien für die Familien- und Sexualerziehung in den Bayerischen Schulen (KMBek vom 15.12.16) können Sie hier nachlesen.

 

Fortbildung

Auf diesem Portal der ALP-Dillingen können Sie sich fortbilden, und z. B. auch Material für die Gestaltung eines Elternabends zum Thema finden oder eine Powerpoint-Präsentation, die bei einer schulinterne Fortbildung für Lehrkräfte eingesetzt werden kann.

 

Schutzkonzepte

Wenn Sie an Ihrer Schule Prävention sexueller Gewalt systematisch im Rahmen der Organisationsentwicklung umsetzen möchten, finden Sie auf dem Portal Schule gegen sexuelle Gewalt des unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs zahlreiche Informationen und Hilfestellungen zum Themengebiet Schutzkonzepte, zum Beispiel zu den Punkten Entscheidung für den Prozess oder Bildung einer Projektgruppe.

 

Portalnutzung

  • Alle Texte des Portals können Sie im PDF-Format ausdrucken.
  • Hier können Sie eine Inhaltsübersicht des Portals ausdrucken.
  • Kontaktdaten von Ansprechpartnern finden Sie auf dieser Seite ganz unten.

Titelbild

 

 

Redaktionsleitung

Dr. A. Hereth (ALP) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

Redaktionsteam

T. Eiglstorfer (Medienpädagogisch und informationstechnische Beratungslehrkraft; Grundschullehrerin) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

G. Gossow-Look (Pädagogin / Avalon – Notruf und Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt) www.avalon-bayreuth.de

J. Harbauer (Rechtsanwältin / Kanzlei Wörner & Partner) www.woepa.de

Dr. A. Hereth (ALP) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

B. Lux (ehemaliger Leiter der Staatlichen Schulberatungsstelle / Niederbayern; StD im Ruhestand) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

S. Kempf (Dipl. Sozialpädagoge; pro familia - Sexualpädagogik, München) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Dr. S. Seiler (Dipl. Psychologe; Psychotherapeut; Supervisor) www.dr-stefan-seiler.de
R. Stephan (Schulpsychologin; Grundschullehrerin) www.landkreis-dachau.de/schulamt/Schulberatung.htm

 

Technische Umsetzung

K. Bornewasser (MA eEducation; Seminarleiterin Fachlehrer m/t) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

U. Geuder (ALP) Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

 

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